Aus aktuellem Anlaß, nämlich der zehnteiligen ZDF-Reihe „Die Deutschen“ mit Start am 26.10.2008 (Folge 1: Otto und das Reich) aus dem Hause Guido Knopp, dem „Geschichtsbildner der Nation“, sei auf den (immer wieder aktuellen) Text von Peter Hoff zu einer anderen Knopp-Reihe verwiesen: „Entsorgung der Geschichte – Die faschistische Vergangenheit heute im deutschen Fernsehen

Hier einige allgemeinere Zitate aus dem genannten Text:

Sein Bemühen gilt der Säuberung der Geschichte der Deutschen vom historischen Unrat.
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Der neudeutsche Geschichtsbildner Knopp kennt die Muster der modernen Populärkultur und bedient sich ihrer geschickt.
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Die Grundhaltung von Knopp bei der Untersuchung der deutschen Geschichte ist dabei auch die gleiche, wie sie uns Hollywood bei der oberflächlich kritischen Behandlung amerikanischer Probleme gelehrt hat und wie wir sie spätestens seit Watergate zu akzeptieren gelernt haben: das Vaterland und das (in diesem Fall: deutsche) Volk in seiner übergroßen Mehrheit steht über aller Kritik. Mag der einzelne auch fehlen, der Chef vom Ganzen ein Schwein sein – das demokratisch gesinnte Volk ist gut und unfehlbar – wenn es dazu nur die Chance hat!
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Knopp hat Demokratie und Freiheitsliebe wie alle guten Deutschen mit der Muttermilch geschlabbert: Die Deutschen waren im Kern ihres nationalen Selbstverständnisses immer Demokraten wie ihre westeuropäischen Nachbarn und heutigen Verbündeten, mögen sich auch in ihren Reihen mal die Bösewichte getummelt und zeitweilig auch die Macht über sie innegehabt haben. – Die Mittäter und Mitläufer und deren Nachgeborene sehen und hören es gern. So wird die Geschichte von ihren Übeln entsorgt, wird zur Schaustelle des Heroischen und des Monströsen.
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Knopp und seine Mitarbeiter kennen, wie gesagt und geschrieben, sich aus im herrschenden Medienbetrieb zwischen Politik und Pop und bedienen folglich in ihren Filmen vor allem auch das Schaubedürfnis ihrer fernseherfahrenen Zuschauer.
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Die Stärke des Fernseh-Geschichtsbildners ist nicht die Neudeutung oder gar die historische Analyse und Untersuchungsarbeit. Knopp und sein Team bemühen sich – und das ist eine legitime und nicht zu unterschätzende Aufgabe im Zeitalter der audiovisuellen Medien – darum, die Vergangenheit anschaulich zu machen. Darin liegt aber auch schon die Schwierigkeit.
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Die deutsche Geschichte jedenfalls ist in den letzten zehn Jahren im ZDF, aber auch in den anderen Fernsehanstalten, auf die demokratische Linie gebracht. Der Müll ist auf die Halde geschafft.
In Knopps Filmen erleben wir die Banalisierung der Geschichte durch ihre Reduzierung auf ein paar Hände voll Bösewichter und die politische Absolution der kleinen Sünder. Denn die Masse der Deutschen, die an der Front und in der Heimat ihre Pflicht erfüllten und dann mit historischem Optimismus und Vertrauen auf ihre besten Kräfte das deutsche Wirtschaftswunder vollendeten, die heute rings um die ganze Welt auf Wacht für Frieden, Freiheit und Demokratie steht, war und ist gut, war und ist gut, war und ist gut…“
(Peter Hoff, 2003)

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